Draußen pieselt es. Alles richtig gemacht, nur am Vormittag zwei Turns zu fahren und entspannt nach dem Mittagessen zügig heim zu fahren. Aber von vorne!
Freitag gegen 11 los gekommen, nach kurzen Hindernissen in der Pfalz und gemütlicher Fahrerei kurz vor drei am Süpamarscheh gewesen und gegen 15:30 wie geplant am Spielplatz, wo meine Gastronomen gerade dabei waren die Multifunktionshalle zu errichten. So gut es ging die gewohnten Arbeitsabläufe behindert und dann tanken gegangen, um anschließend mein Zielbier anzuzapfen.
Weil mein Frühstücksmüsli schon etwas her war und dem nach und nach eingeflößten Alkohol kaum mehr etwas entgegenzusetzen hatte, kam es gerade recht, dass wir früh zuabend essen wollten: vordergründig, weil wir später mit den schwäbischen Überraschungsgästen die Streckenbegehung machen wollten, aber auch ein bisschen, um eine ordentliche Grundlage für den Wein zu schaffen, der ja auch weg musste.
Ralf wäre wohl auch so früh dagewesen, hatte aber einen Stau... zum Abendessen gegen 17:30 war er aber auch da und hatte auch schon sein Wohnzimmer einigermaßen vorbereitet, als zu Tisch gerufen wurde.
Als alle satt waren, kam der Besuch aus Stuttgart. Dass wir uns nicht kennen, haben wir relativ schnell ignoriert und so waren wir dann eben 6 Freunde, statt nur vier... also auf zur Streckenbegehung. Ziemlich kontroverser Informationsoverkill für die Chambley-Frischlinge... Olaf fährt anders als Ralf und Ralf anders als ich und wenn man die Strecke nicht kennt, würde man es eh ganz anders machen... lustiger Spaziergang mit viel verwirrendem Input für zwei armen Kerle.
Noch kurz zusammengehockt, dann wollten die Gäste zu ihrer Unterkunft, Olaf und Ralf haben mich dann noch so lange unterhalten, bis ich mein letztes Weinglas leer hatte... Nacht zusammen!
Ach! irgendwann zwischendurch noch geklärt, ob bzw. dass ich Samstag auf die Strecke darf... Gebühr nachgereicht, Fahrzeugcheck, Sicherungen, Spiegel... Viertelstunde insgesamt. Und nach der Streckenbegehung noch ein kurzer Schnack mit dem auserwählten Instruktor für meine Individualbespaßung am Samstag... Sonntag ist eigentlich ausgebucht.
Nach komatösem Schlaf am Samstag aufgewacht, Frühstück war schon mehr oder weniger gerichtet, die Schwaben waren schon wieder da und die Zeit drängt ein bisschen, weil wir ja zur Morgenandacht (Fahrerbesprechung) mussten... Olaf unmittelbar nach der Andacht auf den Kurs... dann wir vier Rookies: Ralf, Christian, Florian und meine Wenigkeit - Lori hat leider Knie und daher statt ihrer Huddel das Homeoffice mitgenommen. Knie ist Kacke, aber irgendwie war sie nicht so rätzig, wie ich das wäre, wenn um mich herum alle nur Benzin labern und Linienvarianten unterschiedlich gut finden, während ich blödsinnig konstruktiv wirtschaftliche Prozesse am Laufen halten müsste. Explizit Dank an Lori, dass sie statt zu jammern, neben der öden Büroarbeit die Vollverpflegung von den 5 "Rennfahrern" übernommen hat!
Also raus auf die Strecke... Plan war, dass wir zu viert losziehen und Ralf mit mir den beiden Streckenneulingen zeigen wo lang der Weg geht, um nicht unvermittelt und viel zu schnell vor einer Rasenkante kapitulieren zu müssen.
Hm, war ja gut gemeint und kam auch so an - hat aber nicht so richtig gut funktioniert. Was Ralf und ich im Bummelbetrieb zusammenfahren ist mittlerweile schon um einiges zügiger, als die Einstiegsinstruktionsgruppen... und wenn einer den Kurs nicht kennt, muss er maßloses Vertrauen an die Vorderleut haben... nach einer gemeinsamen Streckenbegehung kann das aber noch nicht soweit aufgebaut sein. Wir haben die Jungs also verloren - aber dank recht gemäßigtem Verkehr und eigentlich ganz gutem Niveau der anderen Fahrer konnten sich Christian und Flo selbst behelfen und einfach den anderen zugucken, die nach und nach an ihnen vorbeigezogen sind.
Gottlob waren die zwei sehr geschmeidig und nahmen uns den schlechten Einfahrservice nicht wirklich übel. Wir haben dann über den Tag mehrfach das gleiche gemacht - gemeinsam raus - und ab dem Nachmittag war klar, dass die zwei schon wissen, was man mit einem Motorrad machen kann. Die "Normalzeit" um 2:15/16 konnten die zwei dann einigermaßen mithalten und es ist klar, dass die über kurz oder lang den alten Männern zeigen, wie schnell man fahren kann, wenn man noch ein wenig lebendigen Wahnsinn in sich hat.
Vorweg: So wurd's dann auch am Sonntagvormittag - deutlich unter 2:13 und zwar völlig alleine - eine Zeit die Ralf und ich fahren wenn's wirklich richtig gut läuft... aber gut, mit einer 12er Pannigale täten wir zwei vermutlich auch eine 1:73 fahren.
Also den Samstag gemütlich zuende gebracht - bei mir lief's sehr entspannt und ich habe vermutlich einige flotte Runden zusammengebracht. Dass meine Schnellste mit Olafs Transponder dokumentierte Runde eine 2:13 war, hat mich ein wenig enttäuscht, weil ich schon dachte, dass etwa eine 2:10 sein könnte... war's aber nicht. Olaf konnte mir dann zeigen, woran es liegt, dass ich so lahm bin. Ich denek ohne viel Schinderei des Moppeds ist eine 2:10 wohl drin, aber wenn ich mehr will, muss ich eben auch mal was anderes tun, als gemütlich um den Kurs schaukeln. Da muss ich wohl auch mal die Drehzahlkeule aus dem Sack lassen... und endlich lernen etwas mehr zu bremsen...
Immerhin hab ich meine extrem faule Sitzgewohnheit diesmal etwas dynamischer gestaltet und habe jetzt mal wieder Muskelkater... der Lohn dafür: der Rundenstandard ist bei gleicher Entspanntheit um 2 Sekunden schneller geworden und am ganzen Wochenende nur zweimal mit den Rasten geschliffen.
Ach und Fahrwerksgeometrie haben wir geguckt. Ralfs Huddel statisch ganz ordentlich eingestellt (also Federbasis ok) - bei mir müsste vorne und hinten jeweils etwa ein halber Zentimeter hoch... war mir aber die Fummelei nicht wert und ich war bei den etwas kühleren Außentemperaturen sehr happy mit meiner Einstellung. Dämpfer hab ich ja vergangenes Jahr stimmig eingestellt - und jetzt könnte die Huddel eben noch ein wenig höher... aber außer "zu tief" passt's eigentlich ganz gut. Für die Kackstrecken auf der Hausrunde ist's vermutlich auch gut, etwas mehr Negativfederweg zu haben...
Beim Ralf haben wir dann noch die Dämpfungen so eingestellt, dass die Huddel vorne und hinten relativ ähnlich reagieren und Ralf war dann auch recht zufrieden mit dem, was Olaf und ich versucht haben. Während unserer Schraubarbeit hat Florian zusammen mit Christian das Fahrwerk seiner Pannigale umprogrammiert. Geht auch nicht schneller, als der Dreh mit dem Schraubenzieher.
So ging der Samstag rum. Abends noch zusammen vespern, einen Absacker und irgendwann erneut ins Koma fallen. War ja auch anstrengend!
Sonntag früh hab ich mir nochmal zwei Turns gekauft, wir waren wieder zu viert unterwegs, alles gut. Während des dritten Vormittagsturns hab ich meinen Quirl gesattelt und das Schlafzimmer ausgefegt, damit der nächste Gast sich halbwegs wohlfühlen kann. Dann Mittagessen und Aufbruch. Trockene bisschen langweilige Fahrt - aber eine halbe Stunde später los und ich wär wohl nass geworden.
Fazit: Coole Gäste, die das Fahrerlager bereichert haben. Gewohnt angenehmer Service der Gastronomen. Sehr feines Wochenende mit sehr angenehmen Menschen um mich herum und ob man's glaubt oder nicht: ich glaub ich hab wieder mal was gelernt.
Den Jungs und Mädels um mich rum ein herzliches Dankeschön für ein gelungenes Miteinander!
PS: meine Einzelinstruktion ist dann leider ausgefallen, weil der Dienstleister das mit der Rasenkante verpeilt und sich dann beim Umfallen im Grün ein bisschen weh getan hat. Heilt aber wieder... Das mit dem Grün können Schwaben auf amerikanischen Traktoren mit französischen Reifen übrigens besser: um eine schnellere Rundenzeit zu erreichen hat unser Eumel die Abkürzung hinter einem Curb genommen - und wäre dort im Rough nicht eine böse Bodenunebenheit gewesen, wäre er so vielleicht wirklich schneller gewesen... so hat's ihn ziemlich Nerven gekostet und die nächsten beiden Runden auch noch verhagelt... musste ja erst den Dreck aus dem Profil abschleudern, bevor er wieder ernst ans Gas konnte.