Wer kann das den nachrechnen?
Irgendwas rumrechnen kann jeder, der über einen Taschenrechner verfügt. Die Frage ist eigentlich immer wer was rumrechnet.
Die Berücksichtigung ALLER Einflüsse wird sicherlich niemandem gelingen - auch nicht irgendwelchen neutralen Instituten, die am Ende auch irgendwelche Randbedingungen unter den Tisch fallen lassen müssen, da sie in endlicher Zeit ein Ergebnis ihrer Prognose veröffentlichen müssen. Was dann unter den Tisch fällt ist wahlweise Willkür, oder im schlechteren Fall eine Vorgabe des Auftraggebers/Finziers der Studie. Beides führt zu irritierenden Kernaussagen.
Kürzlich auf einem öffentlich rechtlichen Sender gehört, dass der Klimawandel den CO2-Ausstoß verringert. Die Behauptung, dass das außergewöhnlich warme Jahr 2018 ein Folge des Klimawandels sei, war eine Aussage, die man glauben kann, oder auch in Frage stellen (wer sich mit Statistik schon befasst hat, weiß, dass es sehr große Ausreißer geben kann, die langfristig nicht unbedingt auf einen Trend hinweisen - und selbst eine Abfolge von ungewöhnlichen Werten muss nicht notwendigerweise Grund für eine Korrelationsthese mit irgendwelchen anderen zeitgleich beobachteten Effekten sein...)
Jedenfalls wurde festgestellt, dass durch das warme Jahr weniger geheizt wurde (wen wundert's!?) und daher der CO2-Ausstoß durch Privathaushalte um 3-4% zurückgegangen sei. Das sei ein wesentlicher Beitrag bei der Erreichung der angestrebten CO2-Reduzierung und der weltweiten Klimaziele. Bullshit wenn ihr mich fragt. Aber öffentlich rechtlich, neutral, sachlich und unabhängig. Kann man so darstellen, ist aber ohne Nachweis einer inhaltlichen Signifikanz nur eine These und keine Information.
Solange wir glauben, was uns gesagt wird, nicht hinterfragen und vor allem nicht eigene Betrachtungen anstellen (die freilich immer ebenso kritisch hinterfragt werden müssen, wie Pressemeldungen und wissenschaftliche Studien) brauchen wir uns keine weiteren Gedanken machen. Irgendwer wird irgendetwas tun, was ihm wirtschaftliche Vorteile bringt. Ob das nun für die anderen ebenfalls vorteilhaft ist, und wier lange der individuelle Vorteil erhalten bleibt, spielt dabei keine Rolle.
Solange wir mit Ressourcen nicht selbst schonend umgehen, müssen wir auch nicht heulen, dass die Politiker was von Klimazielen erzählen, aber fette Autos fahren. Das ist eigentlich eine Diskussion auf dem gleichen Niveau wie die Motorradlärmproblematik. Solange wir zum Lärm beitragen, ist es absurd über Krawalltüten her zu ziehen.
Und um ein schönes Haus zu bauen, muss man halt erstmal in eine noch viel schönere Wiese ein tiefes Loch graben. Selbst wernn das Haus irgendwann fertiggestellt ist, wird die Wiese verschwunden sein und ein Teil der Schönheit auch, wegen der man sich für diesen Bauplatz entschieden hat. Wir werden aber die Schuld für die verschwundene Schönheit dem Nachbarn geben, der sich auch für diese schöne Lage entschieden hat und dessen Haus nun die gute Lage verschandelt.
Kurz: wir gehen in vielen Bereichen nicht hinreichend sparsam mit verfügbaren Ressourcen um. In unserem Konsumverhalten ist das schier unmöglich, weil wir immer nur den monetären Preis einer Sache zu sehen bekommen, aber nicht den Ressourcenaufwand dahinter. Beides hat in vielen Fällen nichts miteinander zu tun und so können wir wenig Einfluss nehmen - von vollständigem Konsumverzicht mal abgesehen. Sobald wir konsumieren, befinden wir uns hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs und der Schadstoffemmisionen auf ganz dünnem Eis. Und "kann mal wer ausrechnen" ist eigentlich nur ein Indiz dafür, dass wir alle nicht fähig, befähigt oder zu faul sind, es selbst auszurechnen und insgeheim hoffen, dass irgendjemand beim Rechnen ein Ergebnis herausbekommt, das uns in unserem Lebensentwurf möglich nicht weiter tangiert.
Wie schon oft gesagt: wer keine eigenen Nase hat, werfe den ersten Stein. Und natürlich bin ich nicht der, der irgendeine Lösung für die vielfältigen Probleme parat hat und auch nicht der, der unanfechtbar nur Dinge tut, von denen die Welt für jeden besser wird.
E-Mobilität halte ich für einen Entwurf, der nun als Sau durch's Dorf getrieben wird, viel Aufregung verursacht und am Ende machen wir Leberwurst draus. Alle sind satt, die Sau ist tot. Gut so.