Ergebnis 1 bis 9 von 9

Thema: Luxuscamping am Col de Madeleine

  1. #1
    Kaiser
    Avatar von KiloZeBeF
    Registriert seit
    04.05.2011
    Ort
    KA
    Alter
    54
    Beiträge
    1.410
    Motorrad CBF
    Keine CBF 1000
    Keine CBF
    Street Triple R

    Luxuscamping am Col de Madeleine

    Moin mal wieder. Die Pflicht... eben ist der Tee nach einer komatösen Nacht bereitet und ich denke ich bring's besser gleich hinter mich, als dass ich noch lang rumwarte... ist ja Sonntag und auf große Tour will ich trotz allerliebstem Wetter heute erstmal nicht.

    Also, los ging's ja mit einem Unbekannten der drei Wochen vor der Anfahrt lieber zwei Tage mit Spiel, als eine Tag Stress auf der Anreise gewünscht hat - ich dagegen hätte mich auf das Abenteuer 650km an einem Tag eingelassen. Ich hab mir also etwas Zeit genommen, mir zu überlegen, wie man an zwei Tagen die erbaulichsten Strecken abfährt, um auf Etappen um 350-400km das Notwendige zu erreichen: Ziel am Fuß des Madeleine am 17.08. gegen 18-19 Uhr.
    Dann war der Kerl aber bis zwei Tage vor der dazu nötigen Abfahrt unerreichbar - und endlich kam dann die Mitteilung bein fiebrig und erkältet. Also doch alleine? Also doch an einem Tag? Und dann am kam doch gegen 9 Uhr am "gemeinsamen" Abreisetag ein Anruf von dem Kerl, dass er quasi fertig gepackt ist und wir eigentlich los können... da war ich noch beim Tee, weil mental wieder auf Solofahrt mit allen Freiheiten eingestellt. Kurz, wir haben uns dann um 11 getroffen, haben zwei Zigaretten lang über den ungefähren Weg gesprochen, unsere Teamstrategie und los ging's, um erstmal bis kurz vor Basel auf der BAB Strecke zu machen, bevor wir anfangen ins Gedärm des Jura zu fahren. Idiotischerweise bin ich dann erstmal irgendwie ziemlich verpeilt Richtung Frankfurt auf die BAB, musste wenden und bin dann bis zur zum nächsten Rastplatz gefahren, wo ich mit meinem Mitereisenden Kontakt aufgenommen habe - der war mir nicht gefolgt und stand wieder am Treffpunkt. Korrekt!
    Wenn man eine gemeinsame Tour über zwei Tage derart ungeschickt anfängt, hat man entweder das Schlimmste hinter sich, oder es wird alles noch viel schlimmer... man darf gespannt sein.

    Zwei Pausenzigaretten später saßen wir dann in Sainte Hippolyte neben einem Kinderkarussell und haben Kaffe getrunken. Früher Nachmittag, richtig gut unterwegs. Der Kerl klebt mir am Hintern, wenn's fummelig wird, macht aber - soweit ich das im Rückspiegel sehe - immer eine andere Linie (es gibt ja bekanntlich nicht nur die eine) und hat bei touristisch flott ganz offenbar Spielraum um vermutlich auch dann dran zu bleiben, wenn ich in Blutrausch komme. Beruhigend - insbesondere die Linienwahl, die sowohl die Straßensituation, als auch mich berücksichtigt. Der Fährt, und da bin ich mir sicher, weder mir noch irgendeinem anderen in die Quere. Sieht aber unglaublich hektisch aus, was er gymnastisch auf seinem Kübel treibt... nicht mein Stil, aber so what!
    Der Kübel ist übrigens eine Shiver 900, die offenbar für alles den richtigen Gang hat, was ich auf dem Quirl treibe - es gibt ja fürchterlich unkompatible Moppedkonzepte - mit einer Shiver kann ich fahren, was dann am Ziel eine zweite Shiver nochmal bestätigt hat.

    Nach dem Karussellkaffee ging's dann weiter nach Süden, um mit dem zweiten Teil der ersten Tagesetappe den nächsten Tag mit überschaubarem Restweg entspannt werden zu lassen und vielleicht sogar ein Umwegchen fahren zu können. Genf wollten wir mittelfristig umfahren und möglichst wenig in der Schweiz unterwegs sein. Bis Genf kamen wir nicht und wir waren dann doch abends gegen halb acht in der Schweiz und wollten eigentlich nichtmehr. Zum Glück kam dann auch die französische Grenze näher und zwei Kilometer weiter stand ein gruselig häßlicher Kasten, der offenbar ein Touristenbunker für Skilanglauffetischisten ist. Ich wollt da nicht rein, aber wir haben's gebraucht und die hatten auch zwei Zimmer. Die haben uns auch ein richtig leckleres Abendessen mit Tischwein hingestellt und wollten dafür pro Nase irgendwas um 80 Taler. Völlig ok. Und ausgesprochen freundlich waren die da auch, trotz Bunkeroptik und trotz Durchreisegäste ohne Verlängerungsoption. Wer wissen will wo: kurz vor Les Rousses. Schöne Gegend da!

    Morgens dann Frühstück, kurz mal ins Navi geguckt und gesehen, dass es zum Ziel 3 Stunden dauert. Klarer Fall! Da kringelt man gemütlich etwas östlich über den Cormet de Roselend und kommt dann zum Feierabend über den Madeleine zum Campingplatz. Gedacht, gesagt, getan. Kaffeepausen, Aussichtspunkte, Zigaretten, wieder mehrfach tanken (so eine Shiver muss mit ihrem 12l-Tank alle 160-180km an die Tränke) und Schlag 19 Uhr waren wir dann zum Abendessen im Cafe Simon, das am Zielcampingplatz neu eröffnet war.

    Von nun an eine Woche Großgruppendynamik, für mich gab's einen fahrfreien Tag weil's wie geplant durchweg geregnet hat (und weil ich am Vorabend in weiser Voraussicht ein wenig sorglos mit meinem Weingebinde umgegangen bin). Es gab einen Sabbattag, der nur etwa 200km über zwei lauschige, einen schnellen unspürbaren und einen spektakulären Pass geführt hat. Ansonsten war Arbeit über 280-420km angesagt. Gruppengröße immer etwa 7-8 Leute (der Sabbattag war nur zu zweit mit meinem mittlerweile Bekannten aus der Anreise) - und weil alle recht (aber hallo!) ordentlch fahren können, war die Fahrerei trotz durchweg anspruchsvoller Strecken sehr fluffig.

    Reifenservice Simon (der scheint irgendwie mit der Betreiberin vom Cafe Simon verbandelt zu sein) hat tatsächlich meine angefahrenen MR5 mitgebracht und gegen die nach inzwischen 6tkm einigermaßen entsorgereif gewordenen S21 getauscht. Die S21 by the way wurden gegen Ende ein wenig weniger präzise, aber das sind ganz ehrlich die haben mich serart beeindruckt, dass ich die kommendes Jahr wieder drauf machen werde. Für den Heimweg hatte ich dann die ebenfalls 6tkm alten Michelins und war wirklich besorgt, dass ich mit denen nichtmehr klar komme - aber, wie wir alle wissen: Tourenreifen sind so gut, dass man auch im zügigen Touristenmodus keine Sorgen haben muss - außer man gerät in Rollsplitt, ein Feld von Tretminen die von Kuhprozessionen zwischen Stall und Weide täglich aufgefrischt werden, aber da hilft ein Sportreifen auch nicht wirklich weiter. Kurz: man kann's mit den MR5 auch ganz gut laufen lassen und handlingmäßig stehen die dem S21 um nichts, zumindest nur sehr wenig nach. Geiles Gummi! Über den Winter nehm ich die wieder.

    Der erste Teil des Rückwegs ging dann (ab vorgestern wieder auf zwei Tage angelegt) an den Milchkannen vorbei auf Sträßchen, die definitiv ausschließlich von Einheimischen befahren werden zahlreise Pässchen deren Namen mir zu merken mangels Kapazität nicht möglich ist, eigentlich immer auf der panischen Suche nach Tankstellen für den Shiverkollegen und mit gelegentlichen Cafe-Stopps. Ein Rückreisetag, der vollständig zum Urlaub mitgerechnet werden muss. Hammerfeine Strecken - 3mal tanken und ein ödes Ibis-Hotel in Pontarlier... pro Kopf 70 Taler für die Nacht mit Frühstück und 20 Taler für ein 3-Gänge-Menü über das man nicht meckern sollte. Abends um elf ging dann auch das Licht aus. Frühstück um 8, packen, Esel satteln und Abfahrt um halb neun. Meine Susi war wohl im Heimkehrmodus und hat konsequent alles Schöne ausgelassen was ich schon kannte und uns teils nettes und teils ziemlich fades Zeug gezeigt - naja... immerhin waren wir gut in der Zeit und konnten gegen 14 Uhr die Vogesen von Süden her besteigen. Durch Navi-Ablesefehler kamen wir dann in den Genuss von einigen in dieser Gegen sehr beschaulich knallbaren Pässen, die es eigentlich für den Heimwärtsdrang nicht gebraucht hätte, aber wenn man schonmal da ist und das Mißgeschickt es so will, ist das mindestens egal - eigentlich sogar ziemlich gut. Irgendwann läuft halt die Zeit, wenn man vor Einbruch der Dunkelheit daheim sein will.

    Weil mein angewachsener Arsch (das klingt jetzt böse, aber ist im grunde lieb gemeint) auch noch nicht so richtig heim wollte, haben wir dann noch bei Dabo von einem Nordwestvogesenaussichtspunkt Abschied vom Urlaub genommen... ab da war dann wirklich kompromisslos zeitoptimierte Fahrt zum heimischen Bett angesagt. Kurz noch der Blick nach Südwesten bis kurz hinter Dijon, nach Westen bis kurz hinter Paris, nach Nordwesten bis kurz hinter Brüssel und dann Abfahrt.
    Der Restweg beinhaltete dann noch etwa 80km Schnellstraße bzw. Autobahn, 50km über sehr lauschige Departementales die durchaus mit großem Spaß fahrbar waren und etwa 100-150m durch's unbefestigte etwa 5-10cm tiefergelegte Bankett, in des ich aus versehen bei Reisegeschwindigkeit geraten war... dabei natürlich ein spätes aber viel zu frühes Tourende vor Augen, aber mit eine beeindruckenden Souveränität gemeistert.
    Dann noch eine Abschiedszigarette jenseits des Rheins und die zwei müden Krieger haben nach einer korrekten Verabschiedung die noch fehlenden 10km allein gemacht.

    Fazit:
    - nicht alles was Scheiße anfängt, geht Scheiße weiter
    - mein Kilometerzähler zeigt jetzt eine um ungefähr 3300 höhere Zahl, als vor 9 Tagen
    - meine Sommer-Winter-Reifenmodelle für den Quirl sind endlich gefunden
    - das Serviceteam Simon ist wirklich auch für unerwartete Ausnahmen vorbereitet, oder weiß sich zumindest zu helfen
    - wenn Idioten mit einer kaputten KTM anreisen, dann steht die im Motorradurlaub auf dem Hänger
    - nicht jeder der schnell fährt, fährt auch sauber
    - und wer einen Supersportler fährt, bei dem der erste Gang bis 160 geht, der hat in Spitzkehren echt Arbeit und kommt bei Konzentrationsmängeln umgehend in Not
    - geile Woche war das

    PS: durch meine runde Fahrweise als Guide für meinen Arsch, hat sich der Verbrauch der Shiver von 6-7 l/100km auf knapp über 5l/100km reduziert und es waren dann auch Etappen von über 200km stressarm möglich, ohne ernsthaft Zeit oder Spaß zu verlieren. Wieder was für den CO2-Haushalt getan. Und was Luxuscamping angeht: eine Hütte mit 25qm Grundfläche und Dachgeschosswohnung - zwar ohne Bad/WC aber ansonsten wirklich alles vom Feinsten!
    Mit einem Idioten zu diskutieren, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal wie brilliant Du spielst, sie wird die Figuren umwerfen, auf's Spielbrett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen. (in memoriam)

  2. #2
    Stammtisch Mod Avatar von Minimax
    Registriert seit
    20.03.2006
    Ort
    Niedersachsen
    Beiträge
    1.676
    Motorrad CBF
    CBF 1000 (2011)
    Keine CBF
    Yamaha Tricker
    Lieblingsmotorrad
    CBF1000NA
    Zubehör
    abgepolsterte Sitzbank ;-)

    Lächeln

    Moin Lothar,
    schön, dass du wieder heil zu Hause angekommen bist und danke für den Reisebericht.

    SG
    Ralf
    "Ich bremse auch für Kurven."

  3. #3
    König Avatar von falo
    Registriert seit
    31.07.2006
    Ort
    Greven
    Alter
    55
    Beiträge
    995
    Motorrad CBF
    Keine CBF 1000
    Farbe
    Keine Angabe
    Keine CBF
    BMW S1000R, S1000RR
    Lieblingsmotorrad
    S1000R
    Zubehör
    Datenlogger, Laptimer, Kamera, Transponderhalter...
    Hallo Lothar,

    Schön, dass Ihr gut zu Hause angekommen seid.

    Die Beschreibung von An- und Abfahrt hört sich so nach freier Interpretation des Weges durch das Navi an. Wenn die Zeit dafür da ist, gibts dann meist überraschend gute Strecken
    Schade, dass es diesmal zu keiner gemeinsamen Tour gekommen ist, aber einmal war ich halt vom Cafe Simon eingeladen worden, Alpen-Instruktion für unsere liebe Freundin zu fahren und das zweite Mal hat Euch halt die verständliche Ungeduld in die weite Welt getrieben, anstatt auf die Behebung meiner Reifenpanne zu warten. Sowas dauert halt (meistens) . Und die anderen Fahrangebote waren ja auch nicht schlecht.

    Es war in der Tat eine tolle Woche.

    Gruß vom ReifenCafe Simon
    Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es. (Erich Kästner)

  4. #4
    Kaiser
    Avatar von KiloZeBeF
    Registriert seit
    04.05.2011
    Ort
    KA
    Alter
    54
    Beiträge
    1.410
    Motorrad CBF
    Keine CBF 1000
    Keine CBF
    Street Triple R
    Zitat Zitat von falo Beitrag anzeigen
    ... die verständliche Ungeduld...
    Danke für's Verständnis - war aus meiner Sicht nicht ganz ok, nicht zu warten, aber in Kluft bei den Temperaturen war mir nach sofortigem Fahrtwind. Immerhin kam der Beppes endlich mal in den Genuss mit mir rumzuschwuchteln. Und ich hab mal erleben dürfen, dass der Volker einen sehr guten Guide macht und vieles andere, was mir gut gefallen hat.
    Und wir zwei sehen uns ja hoffentlich noch öfter mal auf eine Spazierfahrt. Ich freu mich drauf - wenn's auch voraussichtlich nicht mehr dieses Jahr sein wird.

    Sollte das Cafe irgendwelche Miesen gemacht haben, regeln wir das dann bei Gelegenheit!
    Mit einem Idioten zu diskutieren, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal wie brilliant Du spielst, sie wird die Figuren umwerfen, auf's Spielbrett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen. (in memoriam)

  5. #5
    Administrator Avatar von dachi
    Registriert seit
    18.10.2008
    Ort
    59872 Meschede
    Alter
    47
    Beiträge
    4.079
    Motorrad CBF
    Keine CBF 1000
    Farbe
    Keine Angabe
    Keine CBF
    Street Triple RS 2017
    Schön geschrieben Lothar,
    danke dafür
    Grüße

    Thomas & Gabi


  6. #6
    Kaiser
    Avatar von EFA
    Registriert seit
    15.02.2015
    Ort
    Altkreis Lippstadt
    Alter
    53
    Beiträge
    1.382
    Motorrad CBF
    CBF 1000F (2014)
    Farbe
    Keine Angabe
    Zubehör
    Ich
    der Bericht
    Gruß
    efa

  7. #7
    Kaiser
    Avatar von KiloZeBeF
    Registriert seit
    04.05.2011
    Ort
    KA
    Alter
    54
    Beiträge
    1.410
    Motorrad CBF
    Keine CBF 1000
    Keine CBF
    Street Triple R
    Weil ja Olaf spekuliert hat, wie die Routenplanung war, noch ein paar Worte hierzu. Ich hab ja so ein olles Garmin im Zigarettenschachtelformat von anno Tobak (zumo210LM) immerhin schon eines der ersten mit Lifetime-Updates.

    Rechenleistung:
    nicht in der Lage Touren bzw. Anfahrten von über 300km zu berechnen. Ab 100km zäh in Berechnungen, ab 200km extrem zäh und ab 300 wird die Berechnung nach ein bis zwei Minuten abgebrochen...

    Display:
    kontrastschwach und wegen der falschen Maßnahmen zur Entspiegelung bei Rückenlicht völlig unlesbar, wenn man nicht von Hand das Display abschattet. Bei Dämmerung und Nacht ist's aber hervorragend.

    Optionen:
    kürzeste/schnellste

    Streckenauswahl:
    Autobahn/Maut/Fähren/unbefestigt jeweils an- und abwählbar

    Mehr geht damit nicht und ich handhabe das in Kombination mit einer Landkarte (idR aus Papier, aber in Zeiten von Smartphone und verfügbarer Datenleistung der Mobilfunknetze geht auch Googlemaps) wie folgt:
    Ich suche mir auf der Landkarte ein Zwischenziel, das idealerweise nicht an einer Bundestraße/Nationale liegt, aber doch grob in der Himmelsrichtung, in der mein Tagesziel liegt. Das gebe ich ein und wähle kürzeste Route - in Frankreich ist oft auch "schnellste" ganz gut, wenn das Zwischenziel günstig liegt, weil die unbeschilderten Departmentales im Navi mit Höchstgeschwindigkeit gerechnet werden - oftmals aber schon mit gefahrenen 60-70 ein Höchstmaß an Bespaßung bringen - falls sie doch geradeaus gehen, kann man unbesorgt mit 120 durch die Landschaft fliegen, weil das nur die anwohnenden Bauern mitbekommen.

    Wenn ich darauf achte, dass die Zwischenziele so gelegt sind, dass der Luftlinienweg dorthin "rote" Straßen möglichst rechtwinklig schneidet, ist die Gefahr vernachlässigbar, dass ich auf Hauptverkehrsstraßen mit Geschwindigkeitsbeschränkung bzw. Blitzern gerate.

    Durch die auf den Nebenstreckchen nichtvorhandenen Blitzer, die permanente Anregung durch abgefahrene, fast menschenleere Gegenden, häufige Abschnitte mit anderthalbspuriger Straße mit und ohne Mittelstreifen kann man sehr gut konzentriert bleiben und ungehindert auf Sicht fahren. Man passiert gelegentlich kleine Weiler in denen mit etwas Glück auch mal ein Cafe am Straßenrand steht. Einziges Handycap sind die Tankmöglichkeiten - wobei nach und nach unbeaufsichtigte Tankautomatenstationen auf dem freien Feld fernab jeglicher Zivilisation Verbreitung finden. Eines dieser neumodischen Dinger kannte tatsächlich meine Susi und hat uns auf wirklich atemberaubenden Wegen hingeführt, als mein Shiverkollege schon Angstschweißperlen auf der Stirn hatte. Ist wohl aktuell, die POI-Tankstellenliste - aber es gab auch unbekannte Kreisverkehre trotz frisch aktualisierter Karte ...

    Ich denke meine Navigationsstrategie ist jetzt klar - technische Einschränkung die zur Zwischenzielwahl zwingen, strategische Wahl dieser Zwischenziele, exakte Wegwahl dann nach dem Belieben der Navigationssoftware mit den gewählten Grundeinstellungen (keine Maut,nichts Unbefestigtes, kürzester oder schnellster Weg).

    Das schöne daran: man lernt die Gegend kennen, die man durchfährt und man verliert auf 100km Direktweg auf Hauptverkehrsstraßen nur etwa 15 Minuten, man trinkt dort Kaffee und isst dort, wo Einheimische verkehren und nicht dort, wo Touristen abgemolken werden - spürbar höhere Qualität der angebotenen Produkte, ungeheuer freundliche Menschen, eine wohltuende Lebensqualität in den Fahrpausen.

    Nachteil dieser Vorgehensweise: man fährt nicht dort wo alle fahren, man sieht nicht das was alle sehen und man fährt auch selten Strecken "die man gefahren sein muss", weil alle dort schonmal gefahren sind. Und wenn mir einer erzählt, dass er "in Frankreich alles schon gefahren ist", mit der Begründung, dass er seit 10 Jahren im Urlaub von Hotel zu Hotel fährt, dem glaube ich nichts, weil ich inzwischen auf mindestens 20 verschiedenen Routen von Nord nach Süd oder andersrum durch's Jura gefahren bin, die unterschiedlich gut geeignet sind Strecke zu machen, eine schöner als die andere, alle gleich abgelegen und jedesmal überraschend weil ich mir die Zwischenziele jedesmal auf der Landkarte neu abstecke mal 5km weiter rechts, mal 5km weiter links von der Hauptstrecke.

    Ich geb zu, der letzte Tag der aktuellen Rückreise war ganz anders als erwartet, aber mein Reisekollege wollte mir meine Susi abschwatzen, weil sie so gut funktioniert... das Ding ist alt, das Ding ist langsam, das Ding ist mit langen Strecken überfordert, das Ding ist kaum ablesbar, aber wenn ich ein modernes TomTom in Händen halte und damit das machen will, was mit meiner Susi ganz einfach ist, dann stoße ich an Systemgrenzen des sehr viel leistungsfähigeren Geräts... so lange mein Gelumpe technisch noch funktioniert will ich nix anderes.
    Mit einem Idioten zu diskutieren, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal wie brilliant Du spielst, sie wird die Figuren umwerfen, auf's Spielbrett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen. (in memoriam)

  8. #8
    Routinier Avatar von Builder
    Registriert seit
    28.09.2015
    Ort
    Dormagen
    Beiträge
    468
    Motorrad CBF
    CBF 1000F (2014)
    Farbe
    Keine Angabe
    Klasse Bericht. Schön zu lesen!.

  9. #9
    Doppel-As Avatar von Lion56
    Registriert seit
    08.02.2017
    Ort
    Kreis Neuss
    Alter
    63
    Beiträge
    140
    Motorrad CBF
    CBF 1000 (2008)
    Farbe
    Pearl Siena Red

    Zumo 210

    Ich hab das Zumo 210 auch noch hier rum liegen. Mangels kurviger Strecken vor der Haustür und jeweils mindestens 70 km Anfahrt in die Eifel oder ins Bergische hab ich mir dann i.d.R. Touren aus dem Internet geladen und diese dann mit Basecamp angepasst, damit es nach der Anfahrt dann wenigstens auch gleich richtig los geht. Wenn dann aber bei laufender Tour die Strecke neu berechnet werden musste, wegen Streckensperrungen u.ä. - und das war quasi immer der Fall - dann konnte das gerne mal etwas länger dauern. Das ging mir dann schon ein bissi auf den Zeiger.

    Mit "neuem" Motorrad (also meiner aktuellen Dicken) hab ich mir dann auch ein neues TomTom anbauen lassen. Vor allem, weil ich nicht mehr so viel Zeit zum Planen sondern mehr mit Fahren verbringen wollte. Das TomTom sollte ja soooo einfach sein: Ziel oder Rundkurs und Kurvenreiche Strecke eingeben und los gehts. Oder auch nicht. Wenn jeder Kreisverkehr in der 30er-Zone als kurvenreich interpretiert wird, ist das nicht so spaßig. Inzwischen weiß ich mit dem Teil und was kann und was es nicht kann umzugehen. Der einzige Vorteil der wirklich übrig geblieben ist, ist die deutlich schnellere Neuberechnung bei einer Streckenänderung. Meine Touren plane ich inzwischen mit MyRouteApp, aber ohne geplante Tour bin ich bisher nicht los.

    Und was will ich jetzt mit meinem gequassel sagen? Wenn ich demnächst mal wieder in grundsätzlich kurvigem Geläuf unterwegs sein sollte, dann verzichte ich mal auf vorbereitete Touren und probier mal die Vorgehensweise von Lothar und schau mal, wo mein Navi mich hin führt. Schnell nach Hause kann es aber auch - das hab ich schon öfter mal ausprobiert. :)
    Man wird so schnell alt und so langsam weise.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •